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Editorial Heft 135

Heft 135: Mobil kommunizierenHeft 135 37. Jahrgang Winter 2006 11 €


Mobil kommunizieren

Inhaltsverzeichnis

Mobil kommunizieren

Lokale Mobilität wurde seit der Industrialisierung zunehmend ein Charakteristikum der Lebensbedingungen westlicher Gesellschaften: Sich zeitweilig oder endgültig, wiederholt oder einmalig aus bisherigen Lebenskontexten und Sozialräumen weg und in andere hinein zu bewegen, eröffnete für auf dem Land Lebende zu Beginn der Industrialisierung neue – wenn auch zum Teil hoch problematische – Berufschancen in den Städten. Gegenwärtig ist zum Beispiel die Bereitschaft zur Arbeitsmigration von Deutschen aus den so genannten neuen Bundesländern erwünscht, während eine solche Bereitschaft bei Ausländern eher kritisch gesehen wird. Gleichzeitig wird heutzutage insbesondere bei höher qualifizierten Berufen eine Offenheit gegenüber Mobilität erwartet, wenn der oder die Angestellte als – wie es Richard Sennett bezeichnet hat – „flexibler Mensch“ bereitwillig Arbeitsorte und Arbeitgeber wechselt. Aber auch unser Bild der Freizeitgestaltung ist ein Bild der Mobilität: Durch Verkehrsmittel des Individualverkehrs sowie öffentliche Verkehrsmittel erstrecken sich die Orte, an denen Freizeit verbracht wird, über ein breites Terrain. Zum Teil wird die Bewegung von Ort zu Ort selbst in der Form des Reisens, des Flanierens oder des ‚Von-Lokal-zu-Lokal-Ziehens’ als Freizeitgestaltung begriffen.
Dabei ist mit Mobilität zunächst eine ortsbezogene oder lokale Mobilität gemeint, die für Arbeit und Alltag der Menschen ebenso von Bedeutung ist wie für Kommunikation, soziale Beziehungen, politische und kulturelle Partizipation. Dieser Typus von lokaler Mobilität darf nicht gleich gesetzt werden mit sozialer Mobilität im Sinne von sozialem Auf- oder Abstieg, auch wenn sich lokale Mobilität auf soziale Beziehungen und die Teilhabe an Gesellschaft und Kultur auswirkt. Derartige räumliche Ortsveränderungen waren früher meist mit der Unterbrechung, gar mit dem Abbruch sozialer oder persönlicher Beziehungen und kommunikativer Gewohnheiten verbunden. Am Beispiel der Migration kann man sehen, dass das Verlassen des Geburtsorts oft ein Prozess ohne Wiederkehr war, auch wenn die Migrantinnen und Migranten noch lange lebten: Verließ man einmal seine ‚Heimat’, war auch der kommunikative Kontakt kaum zu halten – der immer erhoffte Onkel aus Amerika, der irgendwann zurück kommen würde, der postlagernde Brief für Reisende, das Problem, sich im Ausland Informationen über die frühere Heimat zu besorgen, sind Belege dafür.
Migranten sind insofern ein Beispiel für biografische lokale Mobilität. Daneben gibt es Formen lokaler Mobilität, die man als situationsbezogene bezeichnen könnte – der tägliche Stau auf dem Weg zur Arbeit ist dafür ebenso ein Beispiel wie die Urlaubsreise im Sommer oder die vielfältigen Freizeitaktivitäten des modernen Menschen, die an unterschiedlichen Plätzen stattfinden. Beide Mobilitätsformen werden einerseits immer häufiger und üblicher. Sie verändern sich aber auch durch die digitalen Medien in ihrer Bedeutung für den Menschen, seine Beziehungsmuster, seinen Alltag wie auch ihrer Bedeutung für Distanz und Integration zu Kultur und Gesellschaft. Das wird deutlich an dem ‚Mobil-Werden’ der Medien – an der Tatsache, dass im Vergleich zu früheren Zeiten immer mehr Medien mitgenommen werden können und auch mitgenommen werden – nicht mehr nur das Schreibzeug und der Pinsel, sondern der Fotoapparat und das Handy, der Walkman und der MP3-Spieler, das Notebook und der Gameboy. Und während bisher mobile Einzelmedien gelegentlich auch unter dem Titel der Portabilität untersucht wurden, so ist die Entwicklung der Medien mit ihren vielen Facetten und Verwendbarkeiten dabei, über diese Einzelmedien hinweg zu gehen: Lokale Mobilität muss mit kommunikativer Moblität in Zusammenhang gebracht werden.
Mobilität ist also heute ein fester Bestandteil von Kommunikation, ‚mobiles Kommunizieren’ wird zu etwas, das immer mehr unseren Alltag prägt. Durch die technologische Entwicklung der letzten Jahrzehnte und deren alltägliche Aneignung ist der Zugriff auf Medienkommunikation zunehmend ‚in Bewegung’ möglich, und zwar sowohl mittels Medien der personalen Kommunikation (beispielsweise Mobiltelefon) als auch mittels von Medien der so genannten Massenkommunikation (beispielsweise portables Radio oder MP3-Player). Ergänzend ist dabei natürlich zu berücksichtigen, dass sich auch stationäre Medien immer mehr auf mobile Menschen und deren mitbewegte Medienumgebung richten – Kameras, aber auch Hot spots, die dem bewegten Notebook einen Internetanschluss anbieten.
Das vorliegende Heft versammelt eine Auswahl von Beiträgen zum skizzierten Themenspektrum. Der Beitrag von Andreas Hepp umreißt das Konzept der ‚kommunikativen Mobilität’ als einen generellen kritischen Beschreibungsansatz für das ‚Mobil-Werden’ von Medienkommunikation. Dabei geht es insbesondere um die sozio-kulturellen Aneignungen von mobilen Technologien im Alltag, die die Handlungsfähigkeit des Einzelnen sowohl erhöhen als auch einschränken kann. Winfried Pauleit wirft einen Blick in die ästhetische Mediengeschichte des Telefons. Es zeigt sich, dass das Telefon schon immer mit dem Phänomen der Mobilität verbunden war. Am Beispiel exemplarischer Filmanalysen stellt er heraus, dass der gegenwärtige Gewinn an Mobilität durch das Mobiltelefon gekoppelt ist an eine zunehmende Kontrolle, die mit der elektronischen Fußfessel des offenen Strafvollzugs vergleichbar ist. Viktor Kittlausz beschreibt die Logik und das Ineinandergreifen von Technisierung und mobilen Kapitalströmen. Dazu kontrastiert er tatsächliche gegenwärtige und historische Mediennutzungen und ihre politischen und sozialen Konsequenzen mit Szenarien der allgegenwärtigen und alles durchdringenden Computertechnologie.
Thorsten Quandt und Jeffrey Wimmer beschreiben die von der Industrie vorangetriebene Entwicklung mobiler Computerspiele. Dabei unterscheiden sie die unterschiedlichen Facetten des mobilen Computerspiels und skizzieren deren soziale Folgen. Michael Bull stellt den Apple iPod als die erste Ikone des Konsumenten im 21. Jahrhundert heraus. Ausgehend von einer explorativen Untersuchung mit über 1000 iPod-Nutzern kommt er zu dem Ergebnis, dass der mobile MP3-Player eine ähnliche Funktion für die Nutzer hat wie ehemals die gotische Kathedrale für ihre Besucher: die Erfahrung einer Zone von Immunität und Sicherheit, die allerdings heute mobil von jedem einzelnen durch die Stadt getragen und vor allem kontrolliert werden kann. Marc Ries untersucht die Aneigungsformen von Mobiltelefon und iPod. Dazu unterscheidet er zunächst zwischen Gebrauchsweisen und Funktionsweisen dieser Medien. Ziel ist es, die Begehrenslogiken nachzuzeichnen, die mit Hilfe der Mediennutzung eine Ich-Setzung versuchen oder zumindest eine Aussöhnung der Individuen mit ihrem prekarisierten Ich anstreben.
Friedrich Krotz und Iren Schulz betrachten das Mobiltelefon als einen Kleincomputer, der an ein Kommunikationsnetz angeschlossen ist. Sie zeigen auf, dass die Bedeutung des ‚Handys’ nicht allein darin besteht, ‚mobiles Telefon’ zu sein, sondern auch andere Funktionalitäten zunehmend zentral werden. Das ‚Handy’ wird zum intelligenten Begleiter und einem Instrument der Gestaltung zunehmend komplexer (mobiler) Beziehungen. Maren Hartmann begreift das Mobiltelefon als Universalmedium und befragt es im Kontext von medialem und sozialem Wandel. Ihre These ist, dass damit auch die gängigen Begriffe von öffentlicher Kommunikation auf den Prüfstand gestellt werden. Caroline Düvel untersucht die Aneignung des Mobiltelefons in Diasporagemeinschaften. Am Beispiel von jungen russischen Emigranten stellt sie den Aspekt der Mehrfachvernetzung durch die Nutzung unterschiedlicher Telefone oder Netzkarten als einem Teilaspekt kommunikativer Mobilität heraus. Joachim R. Höflich und Julian Gebhardt beobachten den Gebrauch des Mobiltelefons im öffentlichen Raum. Konkret untersuchen sie das Verhalten auf einer italienischen Piazza, mit der das mobile Telefonat gleichsam auf eine Bühne gerückt wird. Andreas Breiter und Stefan Welling fragen schließlich danach, welche Möglichkeiten die Entwicklung ‚allgegenwärtiger Computertechnologien’ (‚ubiquitous computing’) für Lern- und Lehrkontexte bereitstellen. Es geht also in Bezug auf einen Kontextbereich um zukünftige Entwicklungen des ‚mobilen Kommunizierens’.
In ihren unterschiedlichen Perspektiven und Zugängen zeigen die Beiträge dieses Heftes – so zumindest unsere Hoffnung – auf, in welchem Maße bereits unser heutiger Alltag, unsere heutige Medienkultur und Mediengesellschaft durch ‚mobiles Kommunizieren’ geprägt sind. Und wenn wir Phänomene wie das ‚mobile gaming’ und ‚ubiquitous computing’ betrachten, stellen wir fest, dass wir mit hoher Wahrscheinlichkeit erst am Anfang einer solchen Entwicklung stehen. Die verschiedenen Artikel thematisieren Chancen und Risiken, neue Handlungsfähigkeiten bei der Gestaltung sozialer Beziehungen und Handlungseinschränkungen durch Formen der Kontrolle beziehungsweise durch die Kommerzialisierung weiter Bereiche der alltäglichen Kommunikation. Für eine kritische Reflektion wollen die Beiträge des vorliegenden Heftes Anregung geben.
Andreas Breiter, Andreas Hepp,
Friedrich Krotz, Winfried PauleitLokale Mobilität wurde seit der Industrialisierung zunehmend ein Charakteristikum der Lebensbedingungen westlicher Gesellschaften: Sich zeitweilig oder endgültig, wiederholt oder einmalig aus bisherigen Lebenskontexten und Sozialräumen weg und in andere hinein zu bewegen, eröffnete für auf dem Land Lebende zu Beginn der Industrialisierung neue – wenn auch zum Teil hoch problematische – Berufschancen in den Städten. Gegenwärtig ist zum Beispiel die Bereitschaft zur Arbeitsmigration von Deutschen aus den so genannten neuen Bundesländern erwünscht, während eine solche Bereitschaft bei Ausländern eher kritisch gesehen wird. Gleichzeitig wird heutzutage insbesondere bei höher qualifizierten Berufen eine Offenheit gegenüber Mobilität erwartet, wenn der oder die Angestellte als – wie es Richard Sennett bezeichnet hat – „flexibler Mensch“ bereitwillig Arbeitsorte und Arbeitgeber wechselt. Aber auch unser Bild der Freizeitgestaltung ist ein Bild der Mobilität: Durch Verkehrsmittel des Individualverkehrs sowie öffentliche Verkehrsmittel erstrecken sich die Orte, an denen Freizeit verbracht wird, über ein breites Terrain. Zum Teil wird die Bewegung von Ort zu Ort selbst in der Form des Reisens, des Flanierens oder des ‚Von-Lokal-zu-Lokal-Ziehens’ als Freizeitgestaltung begriffen.
Dabei ist mit Mobilität zunächst eine ortsbezogene oder lokale Mobilität gemeint, die für Arbeit und Alltag der Menschen ebenso von Bedeutung ist wie für Kommunikation, soziale Beziehungen, politische und kulturelle Partizipation. Dieser Typus von lokaler Mobilität darf nicht gleich gesetzt werden mit sozialer Mobilität im Sinne von sozialem Auf- oder Abstieg, auch wenn sich lokale Mobilität auf soziale Beziehungen und die Teilhabe an Gesellschaft und Kultur auswirkt. Derartige räumliche Ortsveränderungen waren früher meist mit der Unterbrechung, gar mit dem Abbruch sozialer oder persönlicher Beziehungen und kommunikativer Gewohnheiten verbunden. Am Beispiel der Migration kann man sehen, dass das Verlassen des Geburtsorts oft ein Prozess ohne Wiederkehr war, auch wenn die Migrantinnen und Migranten noch lange lebten: Verließ man einmal seine ‚Heimat’, war auch der kommunikative Kontakt kaum zu halten – der immer erhoffte Onkel aus Amerika, der irgendwann zurück kommen würde, der postlagernde Brief für Reisende, das Problem, sich im Ausland Informationen über die frühere Heimat zu besorgen, sind Belege dafür.
Migranten sind insofern ein Beispiel für biografische lokale Mobilität. Daneben gibt es Formen lokaler Mobilität, die man als situationsbezogene bezeichnen könnte – der tägliche Stau auf dem Weg zur Arbeit ist dafür ebenso ein Beispiel wie die Urlaubsreise im Sommer oder die vielfältigen Freizeitaktivitäten des modernen Menschen, die an unterschiedlichen Plätzen stattfinden. Beide Mobilitätsformen werden einerseits immer häufiger und üblicher. Sie verändern sich aber auch durch die digitalen Medien in ihrer Bedeutung für den Menschen, seine Beziehungsmuster, seinen Alltag wie auch ihrer Bedeutung für Distanz und Integration zu Kultur und Gesellschaft. Das wird deutlich an dem ‚Mobil-Werden’ der Medien – an der Tatsache, dass im Vergleich zu früheren Zeiten immer mehr Medien mitgenommen werden können und auch mitgenommen werden – nicht mehr nur das Schreibzeug und der Pinsel, sondern der Fotoapparat und das Handy, der Walkman und der MP3-Spieler, das Notebook und der Gameboy. Und während bisher mobile Einzelmedien gelegentlich auch unter dem Titel der Portabilität untersucht wurden, so ist die Entwicklung der Medien mit ihren vielen Facetten und Verwendbarkeiten dabei, über diese Einzelmedien hinweg zu gehen: Lokale Mobilität muss mit kommunikativer Moblität in Zusammenhang gebracht werden.
Mobilität ist also heute ein fester Bestandteil von Kommunikation, ‚mobiles Kommunizieren’ wird zu etwas, das immer mehr unseren Alltag prägt. Durch die technologische Entwicklung der letzten Jahrzehnte und deren alltägliche Aneignung ist der Zugriff auf Medienkommunikation zunehmend ‚in Bewegung’ möglich, und zwar sowohl mittels Medien der personalen Kommunikation (beispielsweise Mobiltelefon) als auch mittels von Medien der so genannten Massenkommunikation (beispielsweise portables Radio oder MP3-Player). Ergänzend ist dabei natürlich zu berücksichtigen, dass sich auch stationäre Medien immer mehr auf mobile Menschen und deren mitbewegte Medienumgebung richten – Kameras, aber auch Hot spots, die dem bewegten Notebook einen Internetanschluss anbieten.
Das vorliegende Heft versammelt eine Auswahl von Beiträgen zum skizzierten Themenspektrum. Der Beitrag von Andreas Hepp umreißt das Konzept der ‚kommunikativen Mobilität’ als einen generellen kritischen Beschreibungsansatz für das ‚Mobil-Werden’ von Medienkommunikation. Dabei geht es insbesondere um die sozio-kulturellen Aneignungen von mobilen Technologien im Alltag, die die Handlungsfähigkeit des Einzelnen sowohl erhöhen als auch einschränken kann. Winfried Pauleit wirft einen Blick in die ästhetische Mediengeschichte des Telefons. Es zeigt sich, dass das Telefon schon immer mit dem Phänomen der Mobilität verbunden war. Am Beispiel exemplarischer Filmanalysen stellt er heraus, dass der gegenwärtige Gewinn an Mobilität durch das Mobiltelefon gekoppelt ist an eine zunehmende Kontrolle, die mit der elektronischen Fußfessel des offenen Strafvollzugs vergleichbar ist. Viktor Kittlausz beschreibt die Logik und das Ineinandergreifen von Technisierung und mobilen Kapitalströmen. Dazu kontrastiert er tatsächliche gegenwärtige und historische Mediennutzungen und ihre politischen und sozialen Konsequenzen mit Szenarien der allgegenwärtigen und alles durchdringenden Computertechnologie.
Thorsten Quandt und Jeffrey Wimmer beschreiben die von der Industrie vorangetriebene Entwicklung mobiler Computerspiele. Dabei unterscheiden sie die unterschiedlichen Facetten des mobilen Computerspiels und skizzieren deren soziale Folgen. Michael Bull stellt den Apple iPod als die erste Ikone des Konsumenten im 21. Jahrhundert heraus. Ausgehend von einer explorativen Untersuchung mit über 1000 iPod-Nutzern kommt er zu dem Ergebnis, dass der mobile MP3-Player eine ähnliche Funktion für die Nutzer hat wie ehemals die gotische Kathedrale für ihre Besucher: die Erfahrung einer Zone von Immunität und Sicherheit, die allerdings heute mobil von jedem einzelnen durch die Stadt getragen und vor allem kontrolliert werden kann. Marc Ries untersucht die Aneigungsformen von Mobiltelefon und iPod. Dazu unterscheidet er zunächst zwischen Gebrauchsweisen und Funktionsweisen dieser Medien. Ziel ist es, die Begehrenslogiken nachzuzeichnen, die mit Hilfe der Mediennutzung eine Ich-Setzung versuchen oder zumindest eine Aussöhnung der Individuen mit ihrem prekarisierten Ich anstreben.
Friedrich Krotz und Iren Schulz betrachten das Mobiltelefon als einen Kleincomputer, der an ein Kommunikationsnetz angeschlossen ist. Sie zeigen auf, dass die Bedeutung des ‚Handys’ nicht allein darin besteht, ‚mobiles Telefon’ zu sein, sondern auch andere Funktionalitäten zunehmend zentral werden. Das ‚Handy’ wird zum intelligenten Begleiter und einem Instrument der Gestaltung zunehmend komplexer (mobiler) Beziehungen. Maren Hartmann begreift das Mobiltelefon als Universalmedium und befragt es im Kontext von medialem und sozialem Wandel. Ihre These ist, dass damit auch die gängigen Begriffe von öffentlicher Kommunikation auf den Prüfstand gestellt werden. Caroline Düvel untersucht die Aneignung des Mobiltelefons in Diasporagemeinschaften. Am Beispiel von jungen russischen Emigranten stellt sie den Aspekt der Mehrfachvernetzung durch die Nutzung unterschiedlicher Telefone oder Netzkarten als einem Teilaspekt kommunikativer Mobilität heraus. Joachim R. Höflich und Julian Gebhardt beobachten den Gebrauch des Mobiltelefons im öffentlichen Raum. Konkret untersuchen sie das Verhalten auf einer italienischen Piazza, mit der das mobile Telefonat gleichsam auf eine Bühne gerückt wird. Andreas Breiter und Stefan Welling fragen schließlich danach, welche Möglichkeiten die Entwicklung ‚allgegenwärtiger Computertechnologien’ (‚ubiquitous computing’) für Lern- und Lehrkontexte bereitstellen. Es geht also in Bezug auf einen Kontextbereich um zukünftige Entwicklungen des ‚mobilen Kommunizierens’.
In ihren unterschiedlichen Perspektiven und Zugängen zeigen die Beiträge dieses Heftes – so zumindest unsere Hoffnung – auf, in welchem Maße bereits unser heutiger Alltag, unsere heutige Medienkultur und Mediengesellschaft durch ‚mobiles Kommunizieren’ geprägt sind. Und wenn wir Phänomene wie das ‚mobile gaming’ und ‚ubiquitous computing’ betrachten, stellen wir fest, dass wir mit hoher Wahrscheinlichkeit erst am Anfang einer solchen Entwicklung stehen. Die verschiedenen Artikel thematisieren Chancen und Risiken, neue Handlungsfähigkeiten bei der Gestaltung sozialer Beziehungen und Handlungseinschränkungen durch Formen der Kontrolle beziehungsweise durch die Kommerzialisierung weiter Bereiche der alltäglichen Kommunikation. Für eine kritische Reflektion wollen die Beiträge des vorliegenden Heftes Anregung geben.

Andreas Breiter, Andreas Hepp, Friedrich Krotz, Winfried Pauleit
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