Ästhetik & Kommunikation
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Elisabeth von Haebler

Heft 136: RepräsentationHeft 136 38. Jahrgang Frühjahr 2007 11 €


Repräsentation

Inhaltsverzeichnis

Editorial

Angela Merkel in orange vor gedeckt grautönig gekleideten Herren anlässlich des EU- Treffens in Berlin ist, zugegeben, Blickfang und gelungener PR Einfall: „Lockfarbe“, modern, werbend. Ist das nur noch Farbenspiel, ein etwas rötliches Gold? Oder ist die Inszenierung an die Stelle der Repräsentation getreten?
Was ist Repräsentation? Wer repräsentiert wie? Fühlen wir uns repräsentiert und wollen wir (so) repräsentiert werden?
Repräsentation braucht Macht, Legitimität und ästhetischen Ausdruck. Huth stellt in einer kulturhistorischen Entwicklung von Repräsentation fest „Repräsentation ist die Transformation von Systemwidersprüchen ins Ästhetische“. Den Trend zur „Entparadoxierung“ beschreibt auch Voss als Bedeutungsverlust an den Insignien der Macht. Symbole der Macht, die von Widersprüchen, Mehrdeutigkeiten oder Ambivalenzen bereinigt als positiv konnotierte Zeichen überleben oder zu bloßen Signifikanten werden, können umso leichter auch missbraucht werden. Voss wirbt daher für eine ‘dialektische Semiologie der Macht’.
„Macht braucht Fleisch“ (Gürez) nimmt den Körper als Symbol, der zumal als mythischer Körper aufgeladen werden kann und wie Tschammer an Eva Perón zeigt zum Doppelkörper wird, der selbst noch politischen Gegnern gleichermaßen dienen kann. In dem Musical ‘Evita’ wird Eva Perón wie auch Che Guevara zum Idol oder zur Pop-Ikone, die über die mediale Inszenierung die Sehnsucht nach Einheit und Eindeutigkeit bedient. Die Teile, die zum Ganzen gefügt werden beschreibt Schimmang in „pars pop toto“.
In Zeiten der „Corporate Identity“ führt die Frage der Repräsentation weit über das Politische hinaus. Die Macht der Konzerne, die sich schon im vergangenen Jahrhundert gerne architektonisch darstellten, scheint nun im „Wohnzimmer von Mehdorn“ seinen ultimativen Ausdruck gefunden zu haben. Die „gläserne Repräsentanz“ schafft allerdings keine Transparenz (Schulz), sondern die ‘Korridore der Macht’ bleiben undurchsichtig. Das hat die Personalisierung in der Wirtschaft verstärkt, doch auch das Konstrukt der ‘Unternehmerpersönlichkeit’ (Galling-Stiehler) ist nicht ohne neue Widersprüche und Paradoxien zu haben. Der wirtschaftliche Absolutismus (Schulz) lässt weder Platz für einen ‘König’, noch für den einzelnen Menschen, der sich nicht mehr repräsentiert fühlt- ‘Kunden’ und ‘Mitarbeiter’ werden zu konstruierten Fiktionen (Galling-Stiehler).
Wie Individuen die Widersprüche und Paradoxien der Repräsentation aushalten, erzählt Bindseil an ihrem Namen, Hoffmann-Axthelm an der repräsentativen Demokratie und von Dufving denkt mit Haffner und Mann über das „deutsch sein“ nach. Kann man nur noch „endlich aufhören für andere zu sprechen“ (Galling-Stiehler) oder ist die Repräsentation am Ende? Es gibt Wege, aber keine Auswege, Repräsentation erscheint unmöglich und unverzichtbar zugleich.
Unseren Allgemeinen Teil haben wir diesmal unserer Redakteurin und Mitherausgeberin Gerburg Treusch-Dieter gewidmet, die Ende letzten Jahres gestorben ist. Sie hat mit vielen Artikeln für Ästhetik & Kommunikation, die auf S. 100 nochmal chronologisch zusammengestellt sind, die Redaktionsarbeit und das Denken geprägt. Wir drucken ihren ersten und ihren letzten großen Artikel für die Zeitschrift noch einmal ab. Dazwischen liegen viele Denkbewegungen, die in der Spindel der Notwendigkeit bereits anklingen: Weibliche Produktivität, Körper und Technisierung, Herrschaft und Aufstand. Fäden, die sie gesponnen hat bis zum Bubenstück der Moderne und im Denken mit Schiller bis zur Frage nach der Überflüssigkeit des Menschen.

Elisabeth von Haebler
Wir bauen unsere Seite um und sind daher z.Z. nicht ganz aktuell. Bis bald im neuen Look!



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