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Editorial Heft 138

Heft 138: TrashHeft 138 38. Jahrgang Herbst 2007 11 €


Trash

Inhaltsverzeichnis

Trash

Es ist gut, weil es schrecklich ist.
(Susan Sontag 1964 zu trash)

Wir fragen nicht mehr was trash ist, sondern wo, warum und wie es trash gibt und wir damit umgehen-
Dabei ist die Perspektive entscheidend: Wäh­rend sich einerseits Kultgemeinden um trash versammeln, sehen andere abfällig oder angeekelt darauf herab.
Die abfällige Perspektive war der Aus­gangs­punkt als in Amerika auf die verarmte weiße Unterschicht, deren Lebens­wei­se und Probleme hinabgeschaut wurde und man das „white trash“ nannte. Ab Mitte des letzten Jahrhunderts wurde besonders im Film deutlich, dass trash stilbildend werden wollte: greller, schriller, direkter und provokativer als das Hollywoodkino.
Inzwischen gibt es Trashfilmfestivals und Wettbewerbe um den schlechtesten Film und ARTE zeigt alte und neue Trashfilme im Nachtprogramm- im Film hat sich trash etabliert, ist zur Marke geworden, zur Mode und zum Kult. „Trashig“ zu sein oder zu wirken wurde chic, très chic, ein Stil, der jetzt zwar nicht mehr so provokativ war, aber deutlich macht, dass es zuerst um Stil und dann erst um Inhalt geht.
Das Zelebrieren der Oberfläche ein postmodernes Spiel der Zeichen? Es drängt sich auf, dass keine Theoretisierungen erwünscht sind, also das naive, unfreiwillige, schnelle und schlechte jedes darüber reden unterläuft, trash will subversiv sein, man kann mitmachen oder draußen bleiben.
In Zeiten der schnellen, billigen Techniken, kann jeder trash selber machen, ob als download, mit handykamera, auf internetforen- es gibt keine Beweise für schlechten Geschmack und er bleibt eine Frage der Perspektive nicht nur der Trashproduzenten, sondern auch der Rezipienten von Trashartikeln.
Jeder findet in seiner Umgebung trash, Liegengebliebenes, Unverdautes, Stinkendes, da­von wird nur manches wiederverwertbar sein, das Unverdauliche wird unweigerlich zum Problem, ob man sich mit Ekel abwendet, sich abgrenzt oder darin aufgeht und aufwertet, es bleibt ein Rest:
Indem sich das lyrische Ich konsequent an die Oberflächen hält, die es durchweg, „ganz angenehm, leicht schwachsinnig“ und im Prin­zip „okay“ findet, befreit es sich vom üblichen „Urteilsautomatismus“ und öffnet den Raum für ein „außerhalb“. Na­türlich kann man diese Affirmation als eine besonders subtile Verstellung ansehen, als eine, wie der geistesverwandte Marcel Duchamp ge­sagt hätte, „Ironie der Indif­fe­renz: Meta-Ironie.“ Doch im Unterschied zur herrschenden Ironie kann man nicht mehr dechiffrieren, was sie verbirgt. Unter dem Kulturmüll steckt plötzlich ein Ge­heim­nis.(Mark Siemons 2000, in: Kapitalismus und De­pres­sion­ I)

Elisabeth von Haebler
Wir bauen unsere Seite um und sind daher z.Z. nicht ganz aktuell. Bis bald im neuen Look!



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